Aktion Jugendliche erlebten den Alltag behinderter Menschen    

Artikel Dorstener Zeitung 10.05.12

DORSTEN Wie schwierig der Alltag für Menschen mit Behinderungen ist, erlebten einige Jugendliche hautnah bei einer Aktion des Lebenshilfe-Centers. Ihr Fazit: "Ohne Hilfe geht es nicht.      Von Anke Klapsing-Reich

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Ohne Arme, blind, gehörlos und gehbehindert - die Schüler und Schülerinnen der Heilerziehungspflege des Berufskollegs testeten in vier verschiedenen Gruppen bei der Aktion des Lebenshilfe-Centers die Barrierefreiheit der Dorstener Innenstadt. (Foto Klapsing-Reich)

Womit packt man als Armamputierter das Zuckerpaket in den Einkaufskorb? Wie füllt man als Blinder eine Überweisung in der Bank aus? Angehende Heilerziehungspfleger des Berufskollegs haben es am Mittwoch bei einer Aktion der Lebenshilfe in der Innenstadt getestet und kommen zu dem Schluss: „Ohne Hilfe geht es nicht.“

Rund um den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (5. Mai) veranstalten Verbände und Organisationen der Behindertenhilfe und -selbsthilfe seit fast 20 Jahren Aktionen, die die Kluft zwischen dem Anspruch auf Gleichberechtigung und der aktuellen Lebenswirklichkeit Stück für Stück zu überwinden trachten.

Auch das Lebenshilfe-Center schloss sich dem Aufruf der Aktion Mensch an und startete am Mittwoch mit Schülern der Heilerziehungspflege des Berufskollegs zum Themenschwerpunkt „Barrierefreiheit“ eine Tandem-Aktion in der Innenstadt.

„Die Jugendlichen stellen vier verschiedene Arten der Behinderung nach“, präsentiert Hauptorganisatorin Jennifer Fähnrich vom Lebenshilfe-Center die verschiedenen Utensilien: Die beklebte Taucherbrille für die Blinden, die Wachsstöpsel für die Gehörlosen, den Rollstuhl für die Gehbehinderten und das schwarze Klebeband, das um die Handgelenke gewickelt, die Amputation der Arme simuliert.

Längere Wege
Dementsprechend präpariert schwärmten die „Probanden“ mit gezielter Aufgabenstellung los und sammelten in drei Stunden ungewöhnliche Erfahrungen: „An manchen Ampeln habe ich das Piep-Signal gar nicht gehört“, fiel dem „blinden“ Nils auf. Anton brauchte „ohne Augenlicht“ für die wenigen Meter zur Volksbank mindestens fünfmal so viel Zeit, wie gewohnt.

Die „armlose“ Katharina stand ratlos vor den Regalen: Weder mit der Schulter noch mit dem Mund wollte es ihr gelingen, das Zuckerpaket in den Einkaufskorb zu zwingen. Die „gehörlose und stumme“ Theresa kam sich sehr unfreundlich vor, als sie in einer Bäckerei ohne einen „Guten Morgen-Gruß“ gestikulierend ein Brötchen ordern musste.

Keine Umkleidekabinen für Behinderte, zu kleine Lifte, unüberwindbare Treppenstufen, rücksichtslose Rempler – all diese Erfahrungen sammeln die Teilnehmer in einem Fragebogen. „Doch die meisten Geschäfte haben einen ebenerdigen Zugang“, registrierten die Schüler zufrieden.

Dennoch waren sie froh, nach drei Stunden Brille, Stöpsel, Klebeband und Rollstuhl wieder abgeben zu können: „Wir können uns alle glücklich schätzen, nicht beeinträchtigt zu sein“, bringt Anton Weber die Gefühle der Gruppe auf den Punkt, „was diese Menschen täglich bewältigen, sind echte Höchstleistungen.“


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